EEG: Das Gesetz der leeren Versprechungen

Nein, es sollte kein Aprilscherz sein. Vor 20 Jahren trat das Gesetz in Kraft, das heute Deutschland mit die höchsten Strompreise bescherte und die Energieversorgung an den Rand des Blackouts brachte. Das »Gesetz für den Ausbau erneuerbarer Energien« (EEG), wie es offiziell heißt, bevorzugt Strom aus Wind- und Wasserkraft sowie Photovoltaik dem aus Kohle- und Kernkraftwerken.

Das »Erneuerbare-Energien-Gesetz« sollte also unregelmäßigen und teuren Strom dem gleichmäßigen und preiswerten Strom vorziehen. Es garantiert Erzeugern von  sogenanntem »Ökostrom« Erlöse weit über dem Marktpreis für den bisher normal erzeugtem Strom. Denn kein Mensch, der einigermaßen bei Verstand ist, stellt freiwillig Windräder in die Landschaft oder baut sich massenweise Solarzellen auf das Dach. Sie lohnen nur mit milliardenschwere Förderungen.

Für die meisten ein gigantischer Reinfall, für wenige ein gewaltiger Goldrausch. Zu den Gewinnern zählt in jedem Fall Frank Asbeck. Der gründete im Alter von 20 Jahren zusammen mit Petra Kelly und Gert Bastian den ersten Landesverband der Grünen, studierte in Bonn Agrarwissenschaft und ist heute überaus vermögender Besitzer eines Schlosses und einer Jagd.
Er gründete 1998 die Firma Solarworld AG. Das war in jenem Jahr, als Gerhard Schröder die Bundestagswahl gewann, Kanzler der ersten rot-grüne Bundesregierung wurde und die »Energiewende« einläutete.

Für ihn war sofort klar: Wo so viel Subventionen fließen werden, da lässt sich eine Menge Geld verdienen. Der »grüne Industrielle«, wie Asbeck von Medien liebevoll beschrieben wurde, zog Solarfabriken hoch, die tonnenweise Photozellen produzierten und redete aller Welt ein, wie mit Sonnenstrom umweltfreundliche Energie produziert werden könne, und warum die Photovoltaik in der Energieversorgung der Zukunft eine Schlüsselrolle spielen werde. Das sei außerdem ein Weg zur Demokratisierung, denn fortan könnten Bürger ihren Strom selbst produzieren, der bisher immer noch von wenigen mächtigen Monopolisten erzeugt wurde.

Der ehemalige NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers hängte Asbeck 2008 sogar den Zukunftspreis der CDU um.

Schon bald überschwemmten moderne Modulfabriken in China  den Markt mit immer billigeren Solarzellen. Die Zahl der Beschäftigten in der deutschen Solarindustrie sank von 115.000 auf 50.000 (2014). Solarworld wäre bereits 2013 fast zusammengebrochen, wenn nicht die grünen Aktionäre viel Geld mit einem drastischen Kapitalschnitt versenkt hätten. In dem Jahr kaufte Asbeck übrigens dem Entertainer Thomas Gottschalk dessen Schloss am Rhein ab. Doch 2018 war endgültig Schluss. Der neue grüne Adelsmann Asbeck allerdings hatte rechtzeitig die eigenen Aktien abgestoßen.

Zu den Verlierern gehören die meisten Stromkunden, die  mittlerweile die höchsten Strompreise in Europa bezahlen müssen. Um die 400 000 Menschen können dies nicht mehr, deren Stromanschluss wurde gekappt.

Zu den Verlierern gehören auch viele Unternehmen; Energiekosten spielen vor allem im verarbeitenden Gewerbe eine wesentliche Rolle. Stromintensive Betriebe wie beispielsweise Glasschmelzen und Aluhütten verlagern ihre Produktion in andere Länder; ein schleichender Prozess, der zunächst nicht weiter auffällt.

Das Zauberwort heißt nämlich: Energiedichte. Wind und Sonne liefern zu wenig Energie, um sie in nennenswerte Mengen elektrischen Strom umzuwandeln. Viel mehr und vor allem preiswert liefern Kernkraft sowie Kohlenwasserstoffe wie Kohle, Erdgas und Erdöl.

Unüberwindbar ist die Sprunghaftigkeit: kein Wind und keine Sonne - da auch kein Strom. Das wussten die Menschen in früheren Zeiten als im Sommer häufig gerade dann, wenn Getreide gemahlen werden musste, der Wind fehlte, und die Windmühlen stillgestanden. Oder die Wasserläufe zu wenig Wasser hatten, um Wassermühlen zu betreiben. Legende sind übrigens Streitigkeiten um Wasserrechte, wenn sich unterhalb des Flusslaufes gelegene Müller beschwerten, weil bei ihnen vor allem in spätsommerlichen Trockenperioden die Kraft des Wassers nicht mehr ausreichte, um ihre Mühle anständig zu betreiben.

In den 1960er und 70er Jahren wurden die letzten Wassermühlen stillgelegt und auf elektrischen Motorantrieb umgestellt. Dafür gab es noch eigene Förderprogramme, um den Müllern zu helfen, eine günstige und immer verfügbare Energiequelle zu haben.

Wind und Sonne können ein Industrieland nicht zuverlässig mit preiswerter Energie versorgen. Und Energiemangel bedeutet immer Not, Armut und Hunger.

Die Rolle rückwärts dann, als sich die Welt der grünen Heilsversprechen auftat, sinnfreie Sprüche wie »Die Sonne schickt keine Rechnung!« die Runde machten und Strom aus Windrädern als höchstes Ideal gepriesen wurde. Begriffe wie Energie, Leistung, Arbeit, Energiedichte wurden Fremdworte.

Fassungslos starren heute Fachleute darauf, wie ein Land aus freien Stücken ohne Grund, ohne Not eine preiswerte, funktionierende Energieversorgung zugrunde richtet, die einst zu den führenden der Welt gehörte, und deren Startschuss vor 130 Jahren gelegt wurde.

Am 25. August 1891 fand nämlich in Frankfurt eine Sensation statt: Auf der Internationalen Elektrotechnischen Ausstellung zeigten Unternehmen neue Glühlampen, Dynamos und Elektromotoren. Als Höhepunkt wurde um 12:00 Uhr mittags über eine 176 km lange Freileitung von einem Kraftwerk am Neckar nach Frankfurt erstmals elektrische Energie mit hochgespanntem Drehstrom eingeschaltet. 1000 Glühlampen leuchteten unter dem Beifall der Zuschauer in den Messehallen auf, eine Pumpe setzte einen künstlichen Wasserfall auf dem Ausstellungsgelände in Betrieb. Die Gartenlaube berichtete seinerzeit: »Und siehe da, sie strahlten im hellsten Glanze, ein leuchtendes Sinnbild des Fortschritts, den der menschliche Geist damit zum Licht der Erkenntniß hin gemacht hat.«

Damit wurde bewiesen, dass man hochgespannten Wechselstrom auf wirtschaftliche Weise mit nur 25 Prozent Verlustleistung über elektrische Leitungen übertragen kann.

Die Gartenlaube fährt fasziniert über das beginnende "Zeitalter der Elektricität" fort: "Einen andern, durch seine Eigenschaft merkwürdigen Kraftzufluß aber erhält die Ausstellung durch elektrische Uebertragung entfernt liegender Kräfte. Es werden nämlich nicht bloß zwei Lokomobilen in dem etwa 1800 Meter entfernten Palmengarten ihre Kraft mittels des elektrischen Stromes zur Ausstellung liefern, auch von Offenbach (8 Kilometer von Frankfurt) werden 100 Pferdekräfte in der Ausstellung nutzbar gemacht. Die bedeutsamste Leistung aber wird darin bestehen, daß von Lauffen am Neckar, d. h. aus einer Entfernung von etwa 175 Kilometern, 300 Pferdekräfte übertragen werden sollen."

"So spielt sich vor den staunenden Augen des gegenwärtigen Geschlechtes ein Vorgang von außerordentlicher Tragweite ab, nämlich die Entwicklung der Elektrotechnik, die sich in einem Zeitabschnitte von kaum 10 Jahren aus den bescheidensten Anfängen heraus ihren Platz auf allen Gebieten des menschlichen Lebens erobert hat, und es scheint umsomehr angezeigt, hierüber eine kurze Rundschau zu halten, als im laufenden Jahre ... in Frankfurt a. M. in Gestalt einer internationalen elektrotechnischen Ausstellung die Elektrotechnik eine Galavorstellung geben wird, die in ihren Einzelheiten vieles Wunderbare bringt und eines Blickes hinter die Coulissen wohl verlohnt."

Damit begann der Siegeszug der elektrischen Energieversorgung. Geniale Ingenieure konstruierten Wasser- ebenso wie Kohlekraftwerke, bauten ein Stromnetz auf. Rund 50 Jahre dauerte es, bis auch das letzte Dorf in Deutschland an das Wechselstromnetz angeschlossen war. Große Kraftwerke entstanden in der Nähe der Ballungsräume, versorgten sie mit elektrischer Energie. Gelegentliche Ausfälle konnten aufgrund der Struktur mit Ringleitungen und Ausweisstrecken schnell behoben werden.

Ergebnis: Eine sichere und vor allem preiswerte Versorgung mit elektrischem Strom - darum beneidete uns die Welt.
Entscheidende Männer waren zum Beispiel Oskar von Miller, der die damals noch junge Elektrotechnik vorantrieb und übrigens eng mit Rudolf Diesel befreundet war, der mit dem Dieselmotor eine weitere verbesserte Nutzung der Energie entwickelte und wesentlich zur Lösung der Energiefrage beitrug. Maschinenbauingenieure und Unternehmer wie Emil Rathenau, der Gründer der AEG, hatten rasch begriffen, welche entscheidende Rolle eine preiswerte Stromversorgung für ein Industrieland bedeutete.

Was schlaue Elektroingenieure in fast 130 Jahren aufgebaut haben, wird in wenigen Jahren ruiniert.
Heute haben wir Fachleute wie die Vorsitzende der Grünen Annalena Baerbock, für die Kobolde den Strom in den Leitungen speichern oder Robert Habeck und seine Gefolgsleute, die ohne Schaudern Kohle- und Kernkraftwerke vom Netz abschalten wollen.  Fremd sind ihnen zum Beispiel Begriffe wie rotierende Massen  der Generatoren und Turbinen, die die erheblichen Schwankungen im Netz ausgleichen können. Windräder können das nicht, Photovoltaikanlagen schon gleich gar nicht.
Unbedarft jubeln Medien, Windräder und Sonnenzellen lieferten längst deutlich mehr Strom, als Deutschland benötige. Doch sie vergessen dazu zu sagen, zu welchen Zeiten. Meist dann nicht, wenn er benötigt wird. Oft muss er verschenkt werden.
Markt verkehrt herum: Wie in früheren Jahrhunderten beim Müller, der nur mahlen konnte, wenn der Wind wehte, aber nicht, wenn das Mahlen des Getreides anstand.

Die Geschichte des EEG ist auch eine der leeren Versprechen, von denen die Kugel Eis des einstigen Chefideologen Jürgen Trittin nur die bekannteste ist. So viel sollten die Mehrkosten betragen, die die Stromkunden für die sogenannten »Erneuerbaren« zu tragen hätten. Trittin ist aus dem Rampenlicht verschwunden, die exorbitant gestiegenen Kosten und vermehrte Stromausfälle haben Verbraucher und Unternehmen zu tragen.

Strompreise, die mehr als doppelt so teuer als zu Beginn des EEGs sind und eine immer kritischer werdende Sicherheit in der Stromversorgung - effektiver kann man ein Industrieland nicht ruinieren. Doch wie sagte Angela Merkel einst: »Mit der Zeit wird es so viele Profiteure der Windkraft geben, daß man keine Mehrheiten mehr finden wird, das zu begrenzen.«

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