Der Riss durch Deutschland

Der Dialog wird schonungslos - versprechen Christiane Pfohlmann und Bernd Zeller.

Beide haben sich einst in F.W. Bernsteins Zeichenschule kennengelernt. Der Platz neben Bernd Zeller war frei, heute weiss Christiane Pfohlmann auch warum.

Jetzt versprechen sie also einen »schonungslosen Dialog in Cartoon und Text wegen des einseitigen Grabens durch die sozialen Perspektiven vermeintlicher Milieus über verheerende Folgen mangelnden Anscheins innergesellschaftlicher Demokratie«, wie sie so ausgewogen, wie es ihnen möglich ist, formulieren.

Herausgekommen ist ein sehr erfrischend zu lesendes farbiges Büchlein mit wunderbaren Karikaturen.

Christiane Pfohlmann, Jahrgang 1968, geborene Oberfränkin und gelernte Oberbayerin, macht Karikaturen, weil sie »es kann«, wie Finanzminister Scholz formulieren würde. Sie selbst sagt, weil sie »will«, arbeitet überwiegend für die Tagespresse (z.B. Neues Deutschland, Fränkischer Tag und andere).

www.pfohlmann.de

Bernd Zeller wiederum ist Lesern von Tichys Einblick wohlbekannt. Der Cartoonist betreibt seine Online-Satirezeitung zellerzeitung.de, ist Senior-Influencer auf Youtube, war eine Woche Redakteur beim Eulenspiegel und ein Jahr bei Titanic, Wiedergründer von pardon, macht ehrenamtlich die Jenaer Seniorenzeitung, ehemals Gagmacher für Harald-Schmidt-Show.

www.Zellerzeitung.de

»Es ist daher sehr unterstützenswert, dass Christiane Pfohlmann und Bernd Zeller sich bereitgefunden haben, den Riss, der angeblich durch die Gesellschaft geht, karikaturistisch zu behandeln«, heißt es im Vorwort.

Wie man sich den Beginn des neuen Buches »Der Riss durch Deutschland« vorstellen muss, zeigt eine Karikatur von Christiane Pfohlmann, die im Lehnsessel mit Zeller telefoniert: »Jeder eine Seite - immer abwechselnd.« Ihre Hausgans auf dem Bild denkt: »Hoffentlich sagt sie nicht »BUNT«, sonst landet sie immer auf der undankbaren linken Seite.«


Die Ausgewogenheit wird also bis ins Detail perfekt betrieben: Nach etwa der Hälfte des Büchleins tauschen sie die Seiten, nachdem Pfohlmann drängen muss: »Was ist jetzt mit dem Seitentausch? Muss man Dich alles zweimal fragen?«
Daraufhin Bernd Zeller: »Ach, machen wir einen Strategiewechsel auf Harmonie, ist die Brücke über die Spaltung der Gesellschaft schon gebaut? Ich habe tatsächlich keine Fragen. Euch fragt niemand, ob ihr euch irgendeine Sprache zueigen macht, ob ihr euch von Mao distanziert, ob irgendwas nicht linksradikal ist oder den Falschen nützt, niemand hängt dir an, eine zentrale Figur der neuen Linken zu sein, eine Karikaturistin des grünen Lagers. Außer mir hier jetzt, weil wir uns darüber unterhalten und uns so positionieren. Aber das schadet dir bei niemandem unter denen, die du und ihr für die Falschen haltet. Es kann dir Ärger einhandeln bei den Grüngutfunktionären, wenn du mich nachsichtig behandelst.«


Zeller entsetzt: »Das kann ich nun wirklich nicht wollen. Stell mich! Entlarve mich!« Ja, er scheut nicht davor zu sagen: »Mach den Böhmermann!«


Christiane Pfohlmann fragt mitleidig zurück: »Was hat dich eigentlich veranlasst, mich zu Beginn dieses seltsamen Projekts gleich einem linksgrünen Hofstaat zuzuordnen? Hast du mich etwa heimlich dabei beobachtet, als ich kein Flüchtlingsheim angezündet habe? Oder ist es einfach nur wegen der Gemüselasagne?


Na wie auch immer, jetzt sitze ich hier auf der rechten Seite, weil ich für andere Kulturen ja immer erst mal offen bin, und versuche mir vorzustellen, was in einem vorgeht, der bei Wörtern wie MIGRATION, GENDER oder JOURNALIST sofort hohen Blutdruck bekommt. Nimmst du eigentlich Tabletten? Sich bewegen soll bekanntlich auch helfen.«

Zeller erwidert auf der ausgewogenen nächsten Seite: »Bei ›sag mir, wo du stehst‹ muss man sich gegen den richten, von dem die Forderung kommt. Nur: Das bin nicht ich, ich warne lediglich davor zu verkennen, dass der Hof so schaut. Du gingest kein Risiko ein, im Sinne des Hofes zu diffamieren und zu beleidigen, aber wenn du dich nicht ausreichend gegen meine kruden Thesen stellst, würde man es gegen dich verwenden können. So sind es bei Hofe bestimmte Wörter, die zur Beschreibung dessen, was getan wird, verwendet werden müssten, aber gerade darum nicht verwendet werden dürfen.


Dagegen brandmarke ich die von dir aufgezählten Wörter nicht als Unwörter, sondern habe das sich immer wieder bestätigende Vorurteil, dass, wo sie auftauchen, geschwindelt wird. Einheitsbrei, emotional aufgeladen, in genormter Sprache, politisch gepolt – aber Gleichschaltung soll man dazu nicht sagen. Warum?«


Auf der nächsten Seite unter einem Cartoon bei einer Paartherapeutin antwortet Pfohlmann: »Wenn das hier ein Internetforum wäre, würde Nennmichnichtmausi68 jetzt sicher schreiben: ›Ach so, und diejenigen, die wie gleichgeschaltet die Wörter UMVOLKUNG, GENDERWAHN oder LÜGENMEDIEN raunen, die sagen natürlich selbst immer und immer die reine Wahrheit, und Angst wollen die auch niemandem einjagen, das sind alles integre und entspannte Typen, schon klar :-(( !!!‹«


Wie heißt es weiter im Vorwort? »Einen Konflikt mit den Mitteln des Cartoons auszutragen, ist zweifellos ein zivilisationshistorischer Fortschritt, der sogar schon älter ist, als man zunächst meinen möchte. Schon in der Steinzeit zogen es die kultivierteren Horden vor, lieber Höhlenwände zu bemalen mit Jagdmotiven, statt tatsächlich die blutige Tradition der Treibjagd zum Erbeuten von Fleisch zu pflegen. Leider wurden die Faustkeile, die als Schreibwerkzeug sehr gut in der Hand liegen, als Hieb- und Stichwaffen zweckentfremdet. Auch die Bronzezeit ist ein unrühmliches Kapitel in der Geschichte, weil das Metall nicht feinmechanisch bearbeitet werden konnte und darum nicht zur Herstellung von Stiften, sondern Schwertern verwendet wurde.


Von Wilhelm Busch ist bekannt, dass er viele seiner gezeichneten Figuren zu Tode gebracht hat, dafür von seinen Mitmenschen niemanden. Als Begründer der Kunsttherapie wird er immer noch unterschätzt.«


Beide rühmen ihre Cartoon-Kunst sogar als friedensstiftendes Projekt: »Papier und Zeichenstift ließen sich auch als Schnitt- und Stichwaffen einsetzen, wenn nicht die Befähigung und Lust zum Zeichnen die Aggressivität ins Produktive leitete. Historiker sind sich darin einig, dass der Erste Weltkrieg nicht ausgebrochen wäre mit einem Cartoonisten als Kaiser.«


So kommen die beiden Cartoonisten zu dem unwiderlegbaren Schluss: »Auch der Kalte Krieg hätte einen besseren Ruf, wenn er auf dem Gebiet der Zeichnerei ausgetragen worden wäre. Für Trump und Kim Jong-un ist die gegenseitige Begiftung auf Twitter auch nur ein Ersatz für fehlende Befähigung zum Zeichnen von Cartoons.«


Und für Deutschland wäre es ganz sicher besser gewesen, die Auseinandersetzungen mit den Zeichenstiften anstelle der Schlägermethoden der Antifa auszutragen. Das Cartoonbüchlein kann helfen, zumindest darüber zu lachen. Und das ist ja schon mal was.

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