50 Jahre Mondlandung (4) - Die Landung

Das Raketenungetüm mit Namen Saturn 5 erhebt sich von der Startrampe 39 A im Kennedy Space Center in Florida, nimmt Fahrt auf, fliegt in Richtung Osten. So nimmt sie zusätzlich noch den Schwung der Erddrehung mit. Die erste Stufe der Rakete ist nach zweieinhalb Minuten leergebrannt, wird abgesprengt und mit einer kurzen Zündung von kleinen Düsen abgebremst, sie fällt in den Atlantik. Die nächsten sechs Minuten treibt die zweite Stufe an, auch sie wird abgetrennt und fällt in den Ozean.

In etwa 185 Kilometer Höhe umrundet die dritte Stufe mit Apollokapsel, Servicemodel und Mondfähre drei Stunden lang mit 7 Kilometer pro Sekunde die Erde. Das sind knapp 28.000 Kilometer pro Stunde. Die Kontrolle übernimmt jetzt das Flugkontrollzentrum des NASA in Houston / Texas. Das gibt das OK für den Weiterflug zum Mond. Nach eineinhalb Erdumrundungen zündet die dritte Stufe für sechs Minuten und beschleunigt von 7 Kilometer pro Sekunde auf 11,2 Kilometer, die sogenannte Fluchtgeschwindigkeit oder zweite kosmische Geschwindigkeit. Ein dermaßen schnell herumgeschleuderter Flugkörper überwindet die Gravitationskraft der Erde und fliegt in den Weltraum.

Nach einer halben Stunde Flug soll die ausgebrannte dritte Stufe abgetrennt werden; die Apollo-Kommandokapsel muss sich drehen und mit ihrer Spitze an die Mondfähre andocken. Das komplizierte Manöver gelingt. Weiter gehts zum Mond. Die Bahn ist so berechnet, dass Apollo automatisch ohne Lenkkorrekturen um den Mond wieder zu Erde fliegen würde. Eine Sicherheit für den Fall, dass ein Triebwerk versagt.

Die dritte Saturnstufe fliegt übrigens auf einer eigenen Flugbahn am Mond vorbei, wird von der Gravitationskraft des Mondes Richtung Sonne geschleudert und umrundet heute noch die Sonne. Sie wurde mehrfach von der Erde aus mit Teleskopen gesichtet.

Drei Tage fliegt Apollo zum Mond, wird am 19. Juli von dessen Anziehungskraft in eine Umlaufbahn »gebeten«. Am 20. Juli klettern Neil Armstrong und Buzz Aldrin in die Mondlandefähre »Eagle«, docken ab und beginnen den Abstieg zum Mond.
Das Mutterschiff umrundet währenddessen allein mit Michael Collins den Mond. Einsam verschwindet er hinter dem Mond. »Ich bin«, schreibt er auf, »jetzt wahrhaft einsam und absolut fern von jedem bekannten Leben.« Collins wird häufig als »vergessener Astronaut« bezeichnet. Seine beiden Kollegen ernten den Ruhm. Doch ohne ihn, den Sohn eines hohen US-Militärs und in Rom geborenen Kampffliegers und Testpilots, wäre der Flug nicht möglich gewesen: »Jeder Flug wie dieser besteht aus einer extrem langen, fragilen Kette von Ereignissen.« Er wollte nicht das schwächste Glied sein. Was wäre gewesen, wenn er allein zur Erde zurückkehren müsste? Er wartet wie die Bodenstation auf die Nachricht einer geglückten Landung der Mondfähre.

Deren Bordcomputer steuert auf einen Landeplatz mit Krater und Geröllfeld zu, der 4,5 Kilometer von der ursprünglich geplanten Stelle lag. Neil Armstrong erkennt die Gefahr, greift ein und lenkt mit der Hand die Fähre über das Geröll hinweg und setzt sanft im »Meer der Stille« auf. Um 21:17 Uhr konnten die beiden Astronauten der Bodenstation verkünden: ›der Adler ist gelandet‹. Nur noch 20 Sekunden Zeit hatten die Astronauten für die Entscheidung »Landung abbrechen und wieder zurück« oder zu landen. Die Vorratsanzeige für den Treibstoff neigte sich dem Ende entgegen. Später stellt sich übrigens heraus, dass tatsächlich doch noch mehr Treibstoff als angezeigt vorhanden war.

Am 20. Juli 1969 läuft dann Neil Armstrong als erster Mensch auf dem Mond herum. Dann programmieren Armstrong und Buzz Aldrin die Computer für den Rückflug zur Raumfähre. Aus den Fenstern fotografieren sie nach draußen.
Schließlich am 21. Juli um 3.56 MEZ die berühmten Schritte: Armstrong steigt als erster Mensch aus der Landefähre. Er berichtete: »Das Oberflächenmaterial ist so fein und pudrig, dass ich es mit meinem Fuß leicht anheben kann. Es bleibt in Schichten wie pulvrige Holzkohle an der Sohle und den Seiten meines Schuhes haften. Ich sinke nur den Bruchteil eines inches ein – vielleicht 1/8 inch – aber ich kann die Abdrücke der Sohle deutlich sehen.« Armstrong setzte daraufhin einen Fuß auf den Boden und ergriff gleichzeitig und mit beiden Händen eine horizontale Strebe des vorderen Landebeines. Kurz darauf ließ er seine Hände komplett vom Eagle los, stand frei und konnte die ersten Schritte gehen. Vorsichtig suchte er die Balance. Er war sehr zufrieden, wie leicht ihm Bewegungen in dem massiven Raumanzug fielen. Auf der Erde hätte der Astronaut mit seiner Ausrüstung 158 kg gewogen. Auf dem Mond mit seiner geringeren Anziehungskraft waren es nur noch etwa 26 kg. Er prüfte dann die Düse der Landefähre: Das Triebwerk hat keinen nennenswerten Krater hinterlassen. Zwischen der Unterkante der Düse und dem Boden ist rund ein Fuß Platz. Wir sitzen hier an einer recht flachen Stelle. Ich sehe einige Spuren des Triebwerks-strahles am Boden, aber in sehr geringem Umfang.« Er nahm zuerst einige Bodenproben und verstaute sie, damit sie wenigstens etwas Material mitnehmen konnten, falls sie bei einem Alarmstart sofort den Rückflug antreten mussten.

20 Minuten später folgt ihm Aldrin. Sie hissen die US-Flagge und bauen einige Forschungsinstrumente auf der Mondoberfläche auf. Darunter einen Laserreflektor, der Laserimpulse von der Erde zum Mond sehr präzise wieder zum Ursprung reflektiert und mit dem der genaue Abstand zwischen den beiden Himmelskörpern gemessen werden kann. Dieser Laserreflektor besteht aus 100 Prismen aus hochreinem und sehr homogenem Quarzglas. Das hält kosmische Strahlung und extreme Temperaturen aus und wurde bei Hereaus in Hanau bei Frankfurt produziert und reflektiert heute noch Laserstrahlen von der Erde.

Außerdem sammeln sie 21,5 Kilogramm Gestein und Staub ein. Nach zweieinhalb Stunden Mondausflug klettern beide Astronauten wieder zurück in ihre Landefähre. Es zeigt sich, dass von Brauns Team gute Arbeit geleistet hat. Nach 21 Stunden zünden die Astronauten das Triebwerk der »Eagle«. Die erhebt sich vom Landegestell und trifft das Apollo-Raumschiff mit Collins an Bord. Der hat in dieser Zeit 18 mal den Mond umrundet. Alle fliegen sicher in Richtung Heimat Erde, landen drei Tage später im Pazifischen Ozean, werden vom US-Flugzeugträger USS Hornet geborgen. 50 Jahre später zeugen neben Bildern noch Fußspuren von Armstrongs großem ›kleinen‹ Schritt für die Menschheit. Am Landegestell steht auf einer kleinen Tafel: »Hier betraten Menschen vom Planet Erde zum ersten Mal den Mond, Juli 1969 im Jahre des Herrn. Wir kamen in Frieden für die ganze Menschheit.«

Der erste Mondflug, ein grandioses wissenschaftliches und technisches Abenteuer, als ein paar mutige Testpiloten der US-Airforce in bessere Blechdosen kletterten, um sich damit für den Preis von ungefähr 24 Milliarden US-Dollar nach dem damaligen Wert ins All schießen zu lassen. Das entspricht einem Kilometerpreis von 31.217 Dollar.

 

 

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